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Hörluchs TiK: B2B- und B2C-Videokampagne

15
min Lesezeit
Artikel vom
8.10.2026

Wie zeigt man ein Produkt, das im Alltag möglichst wenig auffallen soll?

Diese Frage stand bei unserer Arbeit für Hörluchs TiK im Raum. Das Hörsystem ist klein, dezent und visuell nicht leicht zu inszenieren. Gleichzeitig sollte die Kommunikation zwei sehr unterschiedliche Zielgruppen erreichen: Hörakustiker auf der B2B-Seite und potenzielle Nutzerinnen und Nutzer auf der B2C-Seite.

Für uns als Filmproduktion war das ein Projekt, bei dem Video-Marketing für Hörsysteme deutlich mehr leisten musste als schöne Produktaufnahmen. Wir brauchten Inhalte, die fachliches Vertrauen aufbauen, und eine Bildwelt, die das Produkt selbstverständlich in einem aktiven Leben verankert. Deshalb haben wir zwei eigenständige Ansätze entwickelt: eine B2B-Serie und eine B2C-Kampagne mit mehreren Filmen und begleitender Fotoproduktion.⁠⁠⁠⁠

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Ein Produkt, zwei unterschiedliche Aufgaben

Die erste Frage war nicht, welche Kamera wir einsetzen oder welche Location besonders gut aussieht. Wir mussten klären, was die Inhalte bei den jeweiligen Zuschauern auslösen sollen.

Ein Hörakustiker möchte verstehen, was hinter einem Hörsystem steckt. Welche Idee hat seine Entwicklung geprägt? Welche Menschen arbeiten daran? Wie wird es gefertigt? Und warum ist es für die eigene Beratung relevant?

Für Endkunden ist der Zugang ein anderer. Hier ging es darum, TiK im Alltag zu zeigen: bei der Arbeit, mit der Familie, beim Sport oder beim Musikhören. Gemeinsam mit Hörluchs wurde die Zielgruppe als „Macher und Performer“ beschrieben. Menschen, die aktiv sind und ihr Leben gestalten.

Diese Unterscheidung hat die gesamte Umsetzung bestimmt. Auf der B2B-Seite haben wir Hintergründe und Entwicklung erzählt. Auf der B2C-Seite haben wir Situationen geschaffen, in denen sich die Zielgruppe wiederfinden kann.⁠⁠⁠⁠

B2B-Video-Marketing: Eine Serie statt eines einzelnen Produktfilms

Für die Kommunikation mit Hörakustikern haben wir ein sechsteiliges Serienformat entwickelt. Die Episoden erzählen von der Vision hinter TiK, seiner Entwicklung, Herausforderungen und den Menschen, für die das Produkt gedacht ist.

Die Entscheidung für eine Serie hatte einen konkreten Grund: Diese Themen sollten nicht in einem einzigen Film möglichst schnell abgehandelt werden. Jede Episode brauchte Raum für eine eigene Botschaft und eine nachvollziehbare Geschichte. Ergänzend gehörten ASMR-Reels und Behind-the-Brand-Cuts zum Formatansatz, die zusätzliche Einstiege in die längeren Inhalte ermöglichen sollten.⁠⁠

Von der Recherche zum Interview

Für die Ausarbeitung der Episoden haben wir Regisseurin Martina Chamrad hinzugezogen. Aus den Informationen von Hörluchs, Gesprächen, E-Mails und einem Fragenkatalog entstand das Drehbuch für die Serie.

Gedreht wurden sieben Interviews im Neuen Museum Nürnberg. Die Architektur mit Sichtbeton und klaren Linien passte zur Titan-Ästhetik des Produkts. Gleichzeitig bot sie einen neutralen Rahmen abseits eines klassischen Showrooms.

Bei den Interviews ging es nicht darum, vorgegebene Werbesätze abzurufen. Die inhaltliche Richtung stand fest, aber die Formulierungen mussten von den Gesprächspartnern kommen. Am Set haben wir deshalb laufend geprüft, welche Aussagen bereits vorhanden waren und wo für die jeweilige Episode noch etwas fehlte.⁠⁠

Erst die Geschichte schneiden, dann die passenden Bilder drehen

Ein wichtiger Schritt war die Reihenfolge der Produktion: Zunächst wurden die Interviews zu Rohschnitten der sechs Episoden aufgebaut. Erst danach haben wir die benötigten Schnittbilder präzisiert.

So konnten wir gezielt planen, welche Vorgänge, Räume und Details eine Aussage tatsächlich unterstützen. Ein frühes Musiklayout half zusätzlich dabei, Tempo und Dramaturgie zu beurteilen.

Für die Aufnahmen in der Manufaktur und Titan-Fertigung kamen zwei Units zum Einsatz. Klare Zuständigkeiten und abgestimmte Briefings waren dafür entscheidend. Beide Teams mussten wissen, welche Bilder sie für die Serie liefern sollten und wie diese zusammenpassen.⁠⁠

Das kleine Produkt sichtbar machen

Die B2B-Serie verbindet reale Einblicke mit digital erstellten Produktbildern. Reflektor Film entwickelte 3D-Assets, mit denen sich das kleine Hörsystem kontrolliert und präzise darstellen ließ. Hinzu kamen 2D-Animationen für Übergänge zwischen den Szenen.

Diese Elemente sollten die Geschichte unterstützen, nicht die Interviews oder die Fertigungseinblicke ersetzen.

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B2C-Video-Marketing für Hörsysteme: Den Alltag in den Mittelpunkt stellen

Für die Endkunden-Kampagne haben wir einen anderen Ausgangspunkt gewählt. Wir wollten keine Geschichte erzählen, die mit Einschränkung beginnt und das Hörsystem anschließend als Rettung präsentiert.

Stattdessen sollte TiK als elegantes Werkzeug im Alltag erscheinen. Der Protagonist ist Architekt, Vater und Musikliebhaber. Er arbeitet, bewegt sich, verbringt Zeit mit seiner Familie und besucht ein Konzert.

Dieser Tagesablauf gab dem Brand-Film einen erzählerischen Rahmen. Gleichzeitig entstanden Anwendungssituationen für die weiteren Kampagnenfilme. Büro, Natur, Sport und Musik waren deshalb nicht einfach abwechslungsreiche Kulissen, sondern Teil der inhaltlichen Planung.⁠⁠

Premium-Positionierung durch die gesamte Bildwelt

Weil das Hörsystem selbst kaum auffällt, musste die Umgebung einen Teil der Positionierung übernehmen. Architektur, Styling, Set-Design und Licht wurden entsprechend aufeinander abgestimmt.

Für die Büroaufnahmen haben wir im 30. Stock in München gedreht. Der Blick über die Stadt und die Architektur prägten die Bildwelt. Gleichzeitig bedeutete die Location zusätzlichen organisatorischen Aufwand: Equipment, Darsteller, Crew und Verpflegung mussten über Aufzüge an den Drehort gelangen.

An diesem Tag arbeiteten zwei Teams parallel. Während die Haupt-Unit die Geschichte des Architekten drehte, produzierte eine Second Unit eine eigene Story für die Schmuckvariante. Deren Protagonistin wurde als Unternehmensberaterin in Meeting- und Workshop-Situationen inszeniert. So konnten beide Geschichten dieselbe Location nutzen, ohne einen zusätzlichen Drehtag einzuplanen.⁠⁠

Ein Konzert, das tatsächlich stattfindet

Ein zentraler Moment der Kampagne war die Konzertszene in Nürnberg. Dafür haben wir einen Hotelsaal vorbereitet, das Licht eingerichtet und zunächst kleinere Detailaufnahmen produziert. Später kamen weitere Komparsen als Konzertpublikum hinzu.

Der Cellist Ariel Barnes spielte das Stück mehrfach live. Mit zwei Kameras haben wir unterschiedliche Perspektiven aufgenommen: den Musiker, das Publikum, Details seiner Bewegungen und die Reaktionen des Protagonisten und seiner Frau.

Die Live-Situation war eine bewusste Entscheidung. Die Menschen im Saal konnten tatsächlich zuhören und reagieren. Für eine Kampagne, in der Musik und Hören eine wichtige Rolle spielen, war das ein passender Weg, den Moment glaubwürdig einzufangen.⁠⁠

Warum ein guter Drehplan auch Änderungen zulassen muss

Am dritten B2C-Drehtag standen Haus-, Garten- und Rennradszenen auf dem Plan. Das Wetter machte die ursprünglich vorgesehene Reihenfolge unmöglich.

Wir haben deshalb zunächst die Innenszenen gedreht und die Gartenaufnahmen auf spätere Sonnenfenster verschoben. Damit konnten wir den geplanten Lichtcharakter der Kampagne beibehalten, statt die Außenbilder unter unpassenden Bedingungen abzuhaken.

Auch bei der Rennradszene musste die Umsetzung zur Aufgabe passen. Der Darsteller war kein Rennrad-Profi. Über Bildausschnitte, Winkel und Bewegung haben wir die Szene so gestaltet, dass sie einen aktiven Alltag erzählt, ohne eine sportliche Leistung in den Mittelpunkt zu stellen.⁠⁠

Mehrere Filme und Fotos von Anfang an einplanen

Die B2C-Produktion war nicht nur auf einen Brand-Film ausgerichtet. Aus den drei Drehtagen entstanden zusätzlich ein Film zur Schmuckvariante und sechs USP-Filme. Insgesamt waren es acht Filme sowie zahlreiche Fotos für Print und digitale Anwendungen.

Die Fotoproduktion lief parallel mit dem internen Hörluchs-Fotografen Eric. Dafür brauchte es eigene Zeitfenster und Abstimmung zwischen den Units. Die weiteren Filme und Fotos waren keine Resteverwertung nach dem Hauptfilm, sondern von Anfang an Teil des Drehplans.

Die Inhalte wurden für unterschiedliche Einsätze produziert, darunter Ads, organischer Content und der Point of Sale in den Geschäften.⁠⁠

Postproduktion beginnt nicht erst nach dem Dreh

Für die B2C-Kampagne hatte unser Editor Jamie bereits vor dem ersten Drehtag ein Musiklayout erstellt. Damit konnten wir am Set auf ein konkretes Gefühl für Rhythmus und Timing hinarbeiten.

Die B2B-Produktion nutzte dagegen den Interview-Rohschnitt als Grundlage für die weitere Bildplanung. Zwei unterschiedliche Abläufe, jeweils passend zum Format.

In der B2C-Postproduktion sorgte das Color-Grading für einen konsistenten Look über die Filme hinweg. Das Sound-Mixing war bei einem Projekt über Hören entsprechend wichtig. Die Gestaltung musste Büro, Natur und Konzert als unterschiedliche Situationen erlebbar machen und zugleich die Filme zusammenhalten.⁠⁠⁠⁠

Was sich aus dem TiK-Projekt mitnehmen lässt

Die Umsetzung zeigt, warum ein Produkt nicht automatisch ein einziges Kommunikationskonzept braucht.

Für Hörakustiker haben wir eine Serie entwickelt, die Hintergründe, Menschen und Prozesse zugänglich macht. Für Endkunden entstand eine Bildwelt, die TiK in Arbeit, Familie, Freizeit und Musik verankert. Beide Ansätze beziehen sich auf dasselbe Produkt, beantworten aber unterschiedliche Fragen.⁠⁠⁠⁠

Für vergleichbare Projekte lassen sich daraus drei praktische Überlegungen ableiten.

Erstens: Vor der Formatentscheidung muss klar sein, welche Informationen und Erfahrungen die jeweilige Zielgruppe braucht.

Zweitens: Wenn mehrere Inhalte entstehen sollen, müssen sie schon in Konzept, Drehplan und Ressourcenplanung berücksichtigt werden.

Drittens: Die Zusammenarbeit zwischen Strategie, Regie, Kamera, Licht, Styling, Foto und Postproduktion entscheidet darüber, ob eine Idee über alle Inhalte hinweg konsistent umgesetzt wird.

Take a look behind the Scenes:

Autorin

Für mich ist die Planung einer solchen Kampagne immer ein bisschen wie ein Puzzle. Nach und nach fügt man die einzelnen Teile zusammen, bis aus vielen kleinen Details ein großes Ganzes entsteht. Wenn am Ende alles zusammenpasst und man das fertige Ergebnis sieht, ist das einfach ein richtig schönes Gefühl.

Sophia Weigand
Autorin
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