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Video-Interview führen: Vorbereitung und Tipps

Video-Interview führen: So entstehen natürliche und klare Aussagen
Im Vorgespräch erzählt jemand offen und anschaulich. Sobald die Kamera läuft, wird jeder Satz vorsichtig formuliert und aus einer einfachen Erklärung ein kleiner Vortrag. Das passiert schnell, gerade wenn Menschen selten vor der Kamera stehen.
Wer ein gutes Video-Interview führen möchte, braucht deshalb mehr als Kamera und Mikrofon. Entscheidend sind eine klare Vorbereitung, passende Fragen und eine Atmosphäre, in der sich die Person wohlfühlt.
Ob Kundenreferenz, Mitarbeiterinterview oder Expertenvideo: Mit den folgenden Schritten schaffst du die Grundlage für Antworten, die natürlich klingen und inhaltlich etwas vermitteln.

Kläre zuerst, was das Interview erzählen soll
Lege vor dem Interview fest, was die Zuschauer danach verstanden haben sollen. Dieses Ziel bestimmt, wen du interviewst und welche Themen im Gespräch vorkommen müssen.
Für eine Kundenreferenz interessiert beispielsweise, welches Problem gelöst wurde und was sich durch die Zusammenarbeit verändert hat. Bei einem Recruiting-Video geht es eher darum, wie der Arbeitsalltag und das Miteinander im Team aussehen.
„Wir stellen unser Unternehmen vor“ ist dafür noch zu allgemein. Konkreter wäre: „Wir zeigen Bewerbern, wie neue Mitarbeitende in den ersten Wochen unterstützt werden.“ Daraus ergeben sich bereits passende Fragen und mögliche Gesprächspartner.
Wähle eine Person, die aus eigener Erfahrung über das Thema sprechen kann. Das muss nicht automatisch die Geschäftsführung sein. Geht es um den Arbeitsalltag im Team, können die Mitarbeitenden selbst konkreter und anschaulicher erzählen.
Leite deine Fragen aus den geplanten Inhalten ab
Überlege zuerst, welche Aussagen du für die Geschichte brauchst. Daraus entwickelst du Fragen, mit denen die interviewte Person die relevanten Themen aus ihrer eigenen Erfahrung beschreiben kann.
Bei einer Kundenreferenz könnten das die Ausgangssituation, die Entscheidung für einen Anbieter und die Erfahrungen mit der Umsetzung sein. Diese Punkte bilden das Grundgerüst für deinen Interviewleitfaden.
Statt „Wie zufrieden seid ihr?“ fragst du zum Beispiel: „Was hat euch vor dem Projekt besonders viel Zeit gekostet?“ Und anschließend: „Wie läuft das heute?“
So bekommst du konkrete Erfahrungen statt einer allgemeinen Bewertung.
Dabei planst du die inhaltliche Richtung, nicht den genauen Wortlaut der Antworten. Bleib offen, wenn jemand eine andere Erfahrung schildert als erwartet. Der Leitfaden soll das Gespräch unterstützen, nicht die gewünschte Werbeaussage erzwingen.

Ein Vorgespräch gibt Sicherheit vor der Kamera
Besprich Themen und Ablauf vor dem Drehtag mit der interviewten Person. Wer weiß, was auf ihn zukommt, kann sich am Set leichter auf das Gespräch konzentrieren.
Dafür reicht häufig ein kurzer Call. Erkläre, worum es im Video geht, wer es sehen wird und wo es veröffentlicht werden soll. Kläre auch, ob es Themen gibt, die noch abgestimmt werden müssen.
Das hilft beiden Seiten: Die Person bekommt Orientierung und du erfährst, welche Geschichten oder Beispiele beim Interview interessant werden könnten.
Teile zentrale Fragen gern vorab. Fertige Antworten auswendig lernen zu lassen, ist dagegen meist wenig hilfreich. Sonst versucht die Person, den richtigen Wortlaut abzurufen, statt frei zu erzählen.
Sage außerdem ausdrücklich, dass niemand alles beim ersten Versuch perfekt formulieren muss. Versprecher, Pausen und neue Anläufe sind völlig in Ordnung.
Wähle eine Location, an der ihr ungestört sprechen könnt
Eine Interview-Location muss nicht nur gut aussehen, sondern vor allem ein ruhiges Gespräch ermöglichen. Die schönste Kulisse hilft wenig, wenn ständig ein Telefon klingelt, jemand durchs Bild läuft oder Baulärm ist.
Jede Unterbrechung reißt die Person aus ihrem Gedanken. Danach genauso entspannt weiterzuerzählen ist nicht immer einfach.
Hör dir den Raum deshalb vorab an. Gibt es eine laute Lüftung, Verkehrslärm oder Gespräche nebenan? Lässt sich der Bereich während der Aufnahme freihalten?
Bei einem Dreh in einer Produktionshalle kann ein ruhiger Nebenraum die bessere Wahl sein. Maschinen und Arbeitsabläufe filmst du anschließend als ergänzende Bilder. So bleibt der Bezug zum Unternehmen erhalten, ohne dass der Lärm das Interview stört.
Auch Licht und Hintergrund sollten die Person unterstützen. Eine angenehme Ausleuchtung, ein aufgeräumter Bildausschnitt und eine bequeme Sitzposition sind wichtiger als ein aufwendiger Aufbau, in dem sich niemand wohlfühlt.

Halte das Set klein und entspannt
Lass nur die Menschen am Set, die für die Aufnahme gebraucht werden. Je weniger Personen zuschauen oder zwischendurch reagieren, desto leichter fällt vielen das freie Sprechen.
Gerade Menschen ohne Kameraerfahrung achten darauf, wie andere ihre Antworten aufnehmen. Stehen mehrere Kolleginnen und Kollegen hinter der Kamera, wandert der Blick schnell zwischen ihnen hin und her.
Ein fester Gesprächspartner direkt neben der Kamera gibt Orientierung. Bei Bedarf könnt ihr den Bereich mit Stellwänden oder Floppies etwas abschirmen. Das reduziert Ablenkungen im Blickfeld.
Feedback von weiteren Beteiligten sammelst du am besten nach einem Gesprächsblock. Wenn nach jeder Antwort jemand eingreift, kommt kaum ein natürlicher Gesprächsfluss zustande und verunsichert eher die interviewte Person.
Frag nach Beispielen und hör wirklich zu
Gib dich nicht mit allgemeinen Aussagen zufrieden. Frage nach konkreten Situationen, damit die Zuschauer verstehen, was die Person tatsächlich meint.
„Wir arbeiten sehr partnerschaftlich“ klingt positiv, sagt aber noch wenig aus. Eine passende Nachfrage wäre: „Wie hat sich das bei diesem Projekt konkret gezeigt?“
Bei einem Mitarbeiterinterview funktioniert das genauso. Statt nur zu fragen, ob das Team hilfsbereit ist, fragst du: „Kannst du dich an eine Situation erinnern, in der dir jemand aus dem Team geholfen hat?“
Beginne trotzdem mit einfachen Aufwärmfragen, bevor du zu den wichtigsten Themen kommst. „Woran arbeitest du gerade?“ gibt der Person einen unkomplizierten Einstieg. Die Antwort muss später nicht im Film vorkommen.
Stelle möglichst nur eine Frage auf einmal und lass Zeit zum Nachdenken. Nicht jede Pause braucht sofort eine neue Frage. Manchmal folgt gerade danach das interessanteste Beispiel.
Wenn deine Fragen später herausgeschnitten werden, sollten die Antworten auch allein verständlich sein. Bitte bei Bedarf darum, den Bezug noch einmal aufzugreifen. „Wir arbeiten seit drei Jahren zusammen“ lässt sich besser verwenden als ein einzelnes „Seit drei Jahren“.
Zwei Kameras schaffen mehr Spielraum im Schnitt
Plane bei Unternehmensinterviews möglichst zwei Kameraperspektiven ein. So lassen sich Versprecher, Wiederholungen oder längere Pausen häufig unauffälliger kürzen.
Eine Kamera zeigt beispielsweise eine weitere Einstellung, die andere eine nähere. Durch den Wechsel zwischen den Perspektiven fällt ein Schnitt weniger auf als ein Bildsprung innerhalb derselben Einstellung.
Das nimmt auch Druck aus der Aufnahme: Eine gute Antwort muss nicht komplett wiederholt werden, nur weil mittendrin ein kleiner Versprecher vorkam.
Unabhängig vom Aufbau gilt: Der Schnitt darf eine Antwort kürzen, aber nicht ihre Bedeutung verändern.

Geheimtipp: Ein fließender Aufnahmestart kann Druck nehmen
Vermeide eine große Aufnahme-Ansage, wenn sie die Person unnötig nervös macht. Ein ruhiger Übergang vom lockeren Gespräch ins Interview kann angenehmer sein.
Besprich vorher, ob Kamera und Ton bereits während der Einstiegsfragen laufen dürfen. Wenn die Person zugestimmt hat, könnt ihr ohne große Unterbrechung in die eigentlichen Themen übergehen.
So vermeidet ihr den Moment, in dem aus einem entspannten Gespräch plötzlich eine gefühlte Prüfung wird.
Die Aufnahme beginnt dabei nicht heimlich. Die Person weiß, dass aufgezeichnet wird und wofür das Material gedacht ist. Wenn sie eine Pause oder eine Unterbrechung der Aufnahme möchte, wird das respektiert.
Fazit: Gut vorbereitet, aber nicht durchgeskriptet
Ein gutes Video-Interview braucht ein klares Ziel, die passende Person und Fragen, die konkrete Erfahrungen hervorbringen. Dazu kommen ein ruhiger Ort, wenige Ablenkungen und genug Zeit für das Gespräch.
Du musst nicht jede Formulierung vorgeben. Wichtiger ist, aufmerksam zuzuhören und dort nachzufragen, wo eine Antwort noch zu allgemein bleibt.
So entstehen Aussagen, die verständlich sind, zur Person passen und sich später sinnvoll zu einem Film zusammenfügen lassen.




